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Vladimir Suchov

Vladimir Grigorevic Suchov war einer der herausra- genden Konstrukteure des ausgehenden 19. und des frühen 20.Jahrhunderts und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Ingenieure Russlands und der Sowjet- union. Obwohl Suchov neben Gustave Eiffel, Robert Maillart oder Eugène Freyssinet ein führender Wegbe- reiter der modernen Baukonstruktion und einer neuen Synthese von Ingenieurkonstruktion und Architektur war, ist sein Werk im Westen bisher kaum bekannt. Suchov war ein Meister der Kunst, sparsam, mit gerings- tem Aufwand an Material und Kosten zu konstruieren. Seine Hängedächer, Bogenkonstruktionen, Gitterscha- len und Gittertürme in Form von Hyperboloiden waren neuartige Lösungen, die durch eine bis dahin unerreich- bare Leichtigkeit, durch die Einfachheit und Eleganz der Konstruktion und durch die ungewohnte, kühne Form- gebung seinerzeit Bewunderung hervorriefen. Sie stellen einen Abschluss und Höhepunkt in der Entwicklung der eisernen Baukonstruktionen des 19.Jahrhunderts dar und nahmen künftige Entwicklungen vorweg. Vladimir Suchov wurde 1853 in Grajvoron, einer Klein- stadt südwestlich von Moskau, geboren. Ab 1871 stu- dierte er am Polytechnikum in Moskau, dessen Beson- derheit eine enge Verbindung von theoretischem und praktischem Unterricht war. Bestandteil war beispiels- weise eine gründliche handwerkliche Ausbildung in verschiedenen Werkstätten.

Aserbaidschan

Nach einer (vom Polytechnikum als Diplomauszeich- nung offerierten) Amerikareise, auf der er unter anderem die Weltausstellung in Philadelphia besuchte, arbeitete Suchov als Planer von Lokomotivhallen in Petersburg. Nach zwei Jahren zog er 1878 in die russische Kolonie Aserbaidschan. Die noch unterentwickelte Region befand sich im Aufbruch, man hatte eben mit der Erschliessung der reichen Erdöllager begonnen. Im Auf- trag der Firma Bari, mit dessen Besitzer Aleksandr V. Bari sich über die nächsten 30 Jahre eine überaus fruchtbare Zusammenarbeit ergab, baute Suchov Pipelines, Raffine- rieanlagen und spezielle, für die Flussschifffahrt geeig- nete Tankschiffe. Er entwickelte verschiedene Pumpen, erfand das Kracken des Erdöls (!) sowie einen neuartigen eisernen Erdöltank, der zu einem ersten Erfolgsprodukt der Firma werden sollte bis 1917 wurden davon über 20000 Stück hergestellt und verkauft. Anstelle der übli- chen rechteckigen, schweren Blechbehälter hatte Suchov mit dünnen Böden und abgestuften Wanddicken ausge- stattete und auf einem Sandbett gelagerte Tanks vorge- schlagen. Damit gelang es ihm, den Materialaufwand drastisch zu senken, die Bauweise wird im Prinzip bis heute verwendet. Wie bei allen Projekten bedachte Suchov auch hier bereits zu Beginn neben der Material- effizienz auch die Möglichkeiten zur Kostensenkung durch Bauteil-Standardisierung.




Bruecken und Daecher

Nach etwa 1890 wandte sich Suchov, nach wie vor in Diensten der Firma Bari, neuen Aufgaben zu. 1892 baute er seine erste Eisenbahnbrücke, und in den nächsten Jahren entstanden unter seiner Leitung 417 Brücken für verschiedene Bahnlinien. Zur Bewältigung dieser Menge ging Suchov abermals den Weg der Stan- dardisierung. Die in Russland herrschende Eisenknapp- heit erforderte besonders leichte, materialsparende Konstruktionen. Ganze Brückenträger wurden an den Flussufern seriell gefertigt und im Winter über Holz- gerüste, die auf dem Eis standen, nacheinander in Posi- tion gezogen (Bild 4). Gleichzeitig mit dem Brückenbau begann Suchov, Dachkonstruktionen zu entwickeln. Sein Ziel war, Konstruktionssysteme zu finden, die mit minimalem Aufwand an Material, Arbeit und Zeit herzustellen waren. Am Anfang standen, wie häufig, grundsätzliche Überlegungen zu prinzipiell möglichen Lösungen und die rechnerische Analyse vorhandener Beispiele. In nur wenigen Jahren gelang Suchov die Erfindung und Rea- lisierung verschiedener Dachkonstruktionen von derart grundlegender Neuheit, dass allein diese Leistung ihm schon einen besonderen Rang unter den Bauingenieu- ren seiner Zeit gesichert hätte. 1895 meldete Suchov seine Netzdächer zum Patent an. Dabei handelte es sich um Netze und Gitter aus Band- und Winkeleisen mit rautenförmigen Maschen. Er bil- dete Hängedächer erstmals als Flächentragwerke aus, eine Bauweise, die erst Jahrzehnte später wieder ange- wendet werden sollte. Nach ersten Versuchsbauten wur- den diese Dachkonstruktionen 1896, bei der allrussi- schen Ausstellung in Niznij Novgorod, zum ersten Mal der öffentlichkeit vorgestellt. Die Firma Bari baute ins- gesamt acht Ausstellungshallen. Vier von ihnen waren mit Hängedächern (Bild 5), vier mit tonnenförmigen Gitterschalen überdacht.




Die Gittertuerme

An derselben Ausstellung wurde ein Wasserturm er- stellt, bei dem Suchov sein Netzwerk auf eine vertikale Gitterkonstruktion übertrug. Mit geraden, schräg gestellten Stäben konnte eine räumlich gekrümmte Git- terfläche erzeugt werden das Hyperboloid. Für die Stäbe verwendete Suchov Winkeleisen, die an den Kreuzungspunkten vernietet wurden. Die Aussteifung des Gitters übernahmen an der Innenseite befestigte, horizontale Ringe. Das ergab eine leichte, steife Turm- konstruktion, die einfach und elegant berechnet und hergestellt werden konnte. Diese Erfindung hatte sich Suchov noch kurz vor der Ausstellung in Niznij Novgorod patentieren lassen, und sie wurde für die Firma Bari zu einem grossen geschäftlichen Erfolg. Die beschleunigte Industrialisie- rung bewirkte einen sprunghaften Anstieg der Nachfra- ge nach Wassertürmen, und die Suchov schen Modelle waren wegen der einfachen Konstruktion und des geringen Stahlverbrauchs nur etwa halb so teuer wie vergleichbare Systeme. Suchov entwarf hunderte von Türmen und führte teilweise auch typisierte Elemente ein. Trotzdem nutzte er mit offensichtlichem Vergnü- gen die Eigenschaft des Hyperboloids, durch Änderung beispielsweise der Schrägstellung der Stäbe Formvarian- ten zu erzeugen (Bilder 3). Auch um die Gestaltung der normalerweise innen liegenden Treppenaufgänge küm- merte sich Suchov mit aller Sorgfalt.




Vom Chefingenieur zum Firmenleiter

Nach der Russischen Revolution von 1917/18 emig- rierten Baris Erben (der Firmengründer selbst war 1913 gestorben) nach Amerika, und die Firma wurde ver- staatlicht. Die Arbeiter wählten den nun 61-jährigen Chefingenieur Suchov zum neuen Firmenleiter. Nachdem in den ersten Jahren vor allem Wiederaufbau- arbeiten geleistet werden mussten, erhielt Suchov schon bald nach der Gründung der Sowjetunion einen seiner grössten Aufträge: die Errichtung eines 350m hohen Sendeturms der Komintern-Radiostation Sabolovka in Moskau. 1919 legte Suchov Entwurf und Berechnungen für einen Turm vor, der trotz grösserer Höhe als der 1899 gebaute Eiffelturm lediglich einen Viertel von dessen Stahlmenge erfordert hätte. Da aber in Moskau zu der Zeit selbst diese 2200t nicht verfügbar waren, unter- schrieb Lenin im Sommer schliesslich eine Verfügung zum Bau einer 150m hohen Version. Der Turm war eine Weiterentwicklung der Wassertörme und bestand aus sechs öbereinander gestellten Hyperboloiden (Bild 2). Die Basen der einzelnen «Stockwerke» wurden durch biegesteife Ringe gebildet. Diese Konstruktion ermög- lichte öberdies ein verblöffend einfaches Bauverfahren. Innerhalb des untersten Turmteils wurde das jeweils nächste Segment am Boden zusammengebaut und anschliessend mithilfe von fönf einfachen Holzkränen in die Höhe gezogen (Bilder 6 und 7). Der Bau des Turms löste im jungen Staat grosse Begeisterung aus. Suchov hatte Berechnungen angestellt, dass mit drei Sendetörmen der ursprönglich vorgesehenen Höhe die ganze Sowjetrepublik hätte abgedeckt werden können. Es blieb allerdings beim Bau des einen, verkleinerten Turms (dieser aber steht noch heute).



Daniel Engler
engler@tec21.ch
http://www.tec21.ch/pdf/tec21_4120041723.pdf
Anmerkung
Zitat, Angaben und Bilder aus:
“Vladimir G. Suchov 1853–1939. Die Kunst der sparsamen Konstruktion.”
Rainer Graefe, Jos Tomlow, Murat Goppoev, Ottmar Pertschi.
Deutsche Verlags-Anstalt und Institut för Auslandsbeziehungen
Stuttgart, 1990, ISBN 3-421-02984-9.

Institut fuer Baugeschichte und Denkmalpflege, Prof. Dr. Rainer Graefe
TU Wien Institut fuer Hochbau und Industriebau, Prof. A. Kolbitsch
Indermuehle Bauingenieure HTL / SIA
Schuchov-Turm im Architekturmuseum Muenchen
Ingenial. Ingenieurportraets. Vladimir G. Suchov
Staehlerne Grazie am Strand der Oka
Hyperbolische Gittertuerme nach Schuchov
Schuhovskaya-Radioturm
Die sparsame Konstruktion. Vladimir Suchov
Wladimir Grigorjewitsch Schuchow in Wikipedia
Antoni Gaudi und Vladimir Suchov

 
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